Regionale Vertreter des ÖSK leisten
....... wichtige Friedensarbeit in Russland
Der Verein „Österreichisches Schwarzes Kreuz“ / Kriegsgräberfürsorge wurde 1919 gegründet. Ziel der Arbeit - vor allem im Ausland - ist vorrangig die Aufklärung von Schicksalen der Gefallenen der Weltkriege und die historische Aufarbeitung der Vergangenheit. In Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark, den Gemeinden, dem Bundesheer, der Exekutive, den Feuerwehren und dem Roten Kreuz wird dafür wertvolle Arbeit geleistet.
Landesgeschäftsführer in der Steiermark ist seit 1990 LAbg. Peter Rieser. Gemeinsam mit Fritz Schuster und Hans Oberweger ist er am 31. Juli diesen Jahres aufgebrochen, um nach persönlichem Ersuchen von Bundeskanzler Schüssel bei Präsident Putin, im fernen Russland erstmals eine bisher verbotene sibirische Militärzone aufzusuchen.
Der österreichische Militärattache in Moskau, Oberstleutnant Erich Simbürger, reiste gemeinsam mit der Delegation von Orenburg über Novosibirsk bis hin zu Jekaterinburg, Wolgograd und jeweils retour nach Moskau.
Begleitet werden die Nachforschungen durch Prof. Dr. Stefan Karner vom Ludwig-Boltzmann-Institut und Prof. Motrevitch von der Universität in Jekaterinburg. Auch von russischer Seite besteht großes Interesse, die Nachforschungsarbeiten zu unterstützen.
Überall in Sibirien sind Spuren von Österreichern und Deutschen zu entdecken. Vor allem im Gebiet Novosibirsk befinden sich noch viele Nachkommen von Österreichern. Die Kriegsgefangenen wurden damals in Waggons wochenlang Richtung Osten transportiert – anschließend in Erdlager eingesperrt. Das Lagerleben war strengen Verordnungen unterworfen. Täglich starben hunderte Menschen an Unterernährung und verschiedenen Krankheiten. Physisch kräftige Kriegsgefangene wurden zu Holz- und Erntearbeiten eingesetzt; manche Gefangene arbeiteten aufgrund ihrer Kenntnisse „draußen“ bei den Bauern in den Dörfern, z.B. als Zimmerer, etc. Sie heirateten zum Teil Russinen und sind dort geblieben; entweder nahmen sie den Namen der Ehefrau an oder der eigene Namen wurde zum persönlichen Schutz „russifiziert“.
Lt. Rieser sind immer wieder Russen anzutreffen, die Familiennamen wie Perner, Schneeweiß oder Bischof tragen. Viele sprechen sogar Deutsch, das sie von ihren Vätern und Großvätern gelernt haben, die nie aus der Gefangenschaft heimgekehrt sind.
Lt. Peter Rieser befand sich in Totzk zwischen 1915 und 1919 solch ein Kriegsgefangenlager für 130.000 Gefangene österreichischer, tschechischer und deutscher Herkunft– heute findet sich hier ein Denkmal, errichtet von den überlebenden Österreichern, mit folgender Inschrift: „Gebaut von kriegsgefangenen Offizieren und Soldaten des Lagers zum Gedenken der hier Ruhe gefundenen Opfer des Ersten Weltkrieges“. In der Bevölkerung wird diese noch erhaltene Gedenkstätte „der Österreichische Friedhof“ genannt. Für den Besuch der Delegation wurde das Denkmal eigens von russischen Soldaten generalsaniert.
Rund 500 km nördlich von Jekaterinenburg, in Serow, trafen die Österreicher auf einen Russen namens „Matthias Stadler“, den Nachkommen eines Gefangenen aus dem Ersten Weltkrieg und auf weitere Menschen mit österreichischen Wurzeln, wie einem Mann, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Russland geblieben war. Fritz Schuster ist heut 85 Jahre alt, krebsleidend, spricht aber immer noch sehr gut Deutsch. Er wünscht sich nichts mehr, als das Verwandte von ihm ausfindig gemacht werden.
LAbg. Peter Rieser will diese wichtige historische Aufarbeitung unbedingt fortsetzen und so auch den nachfolgenden Generationen ermöglichen, die Schicksale ihrer zum Großteil verschollenen Vorväter zu erfahren.
Text: Dr. Mag. Mandl Fotos (c) by Peter Rieser
Im Zuge des Besuches der österreichischen Delegation veröffentlichte ein russisches Medium folgende Zeilen (Auszug aus Übersetzung):
„Ja, die Gefangenen waren zwar Feinde, aber die Menschen glaubten an sie, sahen, wie schwer es ihnen fiel, weit weg von der Heimat und praktisch ohne Bürgerrechte in der Fremde zu leben, und sie erkannten, das allerwichtigste, nämlich die Tatsache, dass auch sie nur Menschen sind. Die Russen waren ihnen gegenüber positiv eingestellt. Die Gefangenen gründeten Familien und mit der Zeit bekamen sie den gesetzlichen Status, die sowjetische Staatsbürgerschaft und so blieben sie für immer im Ural. Ihre Seelen blieben jedoch in der Heimat. Es muss betont werden, dass eine Fahrt in die Heimat, unter diesen Bedingungen, äußerst schwierig war, da die ganze Sowjetunion einem kriegskommunistischem Lager glich.“